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Forward Manufacturing, Dezentralisierung und Lieferkettenresilienz: Warum die Verteidigungsindustrie ihre Zulieferstrukturen neu denkt.
Die COVID-19-Pandemie, der Krieg in der Ukraine und geopolitische Spannungen im Indo-Pazifik haben die Verwundbarkeit globaler Lieferketten schonungslos offengelegt. In der Verteidigungsindustrie wiegt diese Verwundbarkeit besonders schwer: Wenn kritische Materialien oder Komponenten nicht verfügbar sind, können Waffensysteme nicht produziert, gewartet oder repariert werden — mit unmittelbaren Konsequenzen für die Verteidigungsfähigkeit.
Fallbeispiel: Titan-Krise
Die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie bezog bis 2022 einen erheblichen Teil ihres Titans aus Russland (VSMPO-AVISMA). Die Sanktionen zwangen zu einer kurzfristigen Umstellung auf alternative Quellen — mit Preissteigerungen von über 40 % und Lieferverzögerungen von Monaten. Die Verteidigungsindustrie reagierte mit Bevorratungsprogrammen und der Qualifizierung neuer Lieferanten in Japan, den USA und Kasachstan.
Forward Manufacturing — die Verlagerung von Produktionskapazitäten näher an den Einsatzort — ist ein zentrales Konzept der neuen NATO-Verteidigungsplanung. Statt alle Waffensysteme in wenigen zentralen Werken zu fertigen und über lange Logistikketten zu transportieren, sollen regionale Fertigungs- und Instandsetzungszentren die Versorgungssicherheit erhöhen. Für spezialisierte Zulieferer wie Feuerfest-Unternehmen eröffnet dies neue Geschäftsmodelle.
Chance für den Mittelstand
Forward Manufacturing und Dezentralisierung begünstigen mittelständische Unternehmen mit regionaler Präsenz. Ein Feuerfest-Spezialist mit Standort in Süddeutschland kann regionale Instandsetzungszentren schneller und flexibler beliefern als ein internationaler Großkonzern. Flexibilität, kurze Entscheidungswege und technische Expertise sind die Wettbewerbsvorteile des Mittelstands.
Die Rückkehr zur Landes- und Bündnisverteidigung hat die Frage der Bevorratung wieder auf die Agenda gesetzt. Munition, Ersatzteile und kritische Materialien müssen in ausreichender Menge bevorratet werden, um im Konfliktfall nicht von funktionierenden Lieferketten abhängig zu sein. Für Zulieferer bedeutet dies langfristige Rahmenverträge mit garantierten Abrufmengen — ein attraktives Geschäftsmodell.
Die Neuausrichtung der Defence-Lieferketten bietet konkrete Handlungsoptionen für mittelständische Zulieferer. Wer sich jetzt strategisch positioniert, kann von den strukturellen Veränderungen langfristig profitieren.
Quick Win: Lieferketten-Transparenz
Erstellen Sie eine dokumentierte Übersicht Ihrer eigenen Lieferkette: Woher kommen Ihre Rohstoffe? Gibt es Single-Source-Abhängigkeiten? Wie lange reichen Ihre Lagerbestände? Defence-Einkäufer fragen genau diese Informationen ab. Wer sie proaktiv vorlegen kann, hat einen Wettbewerbsvorteil.

Dipl.-Ing. Aleksander Stepanov
Stv. Betriebsleiter & Projektleiter
Feuerfestbau, Industrieofenbau und Anlagentechnik
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